Anton Dolin über die beste Verfilmung des Romans „Maledetto“
Russianto
Die Freiheit des Fantastischen: Die beste Verfilmung des „verfluchten“ Romans.
Stell dir vor, die legendäre Geschichte von Meister und Margarita flammt neu auf der Kinoleinwand auf – so kraftvoll und zeitgemäß wie selten zuvor. Der neue Film von Michail Lokschin, der gerade einmal sein zweites Werk nach einem populären Weihnachtsfilm vorlegt, entfesselt eine cineastische Sensation, die ganz Russland elektrisiert. Endlich, so scheinen viele zu meinen, wurde Bulgakows „Meister und Margarita“ nicht nur respektvoll, sondern wirklich gelungen adaptiert – ein Roman, der jahrzehntelang als „verflucht“ und nahezu unverfilmbar galt.
Diese Verfilmung wagt Außergewöhnliches. Sie schafft es, die komplexen Ebenen des Romans nicht bloß abzubilden, sondern neu zu denken. Der Kosmopolitismus des Regisseurs, selbst Kind russisch-amerikanischer Eltern, spiegelt sich in der internationalen Besetzung und in einem frischen, fast distanzierten Blick auf das russische Kulturerbe wider. August Diehl als Voland, ein deutscher Schauspieler, bringt die Figur des Teufels als eleganten, charismatischen Fremden auf die Leinwand – so, wie ihn die Figuren im Roman selbst wahrnehmen. An seiner Seite brillieren Evgenij Tsyganov und Julia Snigir, auch im echten Leben ein Paar, als Meister und Margarita. Ihre packende Chemie verleiht dem Liebespaar eine neue Tiefe und macht ihre Geschichte zum emotionalen Kern des Films.
Doch hier werden nicht einfach Buchseiten illustriert. Die Macher verdichten, straffen, erfinden – ohne den Geist des Originals zu opfern. Die Handlung rückt Meister und Margarita stärker in den Vordergrund, und der Film zeigt klar: Dies ist die Geschichte eines Schriftstellers, eines Außenseiters, der an der Zensur und am gesellschaftlichen Druck verzweifelt. Überhaupt kreist alles um das Thema der Freiheit: die künstlerische Freiheit, die Freiheit der Fantasie, das Aufbegehren gegen Kontrolle und Unterdrückung. Gerade diese Aspekte wirken in der heutigen Zeit aktueller denn je – wenn im echten Russland wieder lautstark nach Verboten gerufen wird, spiegelt das die Kämpfe des Romans auf beklemmende Weise.
Die magischen, surrealen Elemente – Flüge über Moskau, der Ball bei Satan, die skurrile Bestrafung der Sünder – werden mit modernster Filmtechnik und beeindruckender Bildsprache inszeniert. Die Musik oszilliert zwischen Hollywood-Pathos und diabolischem Jazz, die Atmosphäre changiert von grotesker Satire zu tragischer Poesie. Selbst die Nebenfiguren – der wahnsinnige Professor, der echte Kater Behemoth, die menschliche Karrierefrau Gella – sind eigenwillig, teils humorvoll, stets faszinierend.
Natürlich polarisiert diese Version. Konservative Kreise werfen den Machern vor, Bulgakow zu verraten, das Buch zu entstellen. Doch genau darin liegt die Kraft des Films: Er ergreift Partei für den schöpferischen Wagemut und für den Mut, große Stoffe neu zu denken. Nicht die buchstabengetreue Nachstellung, sondern die freie, kreative Aneignung bringt Bulgakows Geist zum Leuchten. Humor, Eros, Satire, Melancholie – all das wird zu einem wilden, mitreißenden Karneval, der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie sprengt.
So gelingt es dieser Verfilmung, das vermeintliche Verfilmungs-Verbot, den „Fluch“ des Romans, zu brechen. Sie verwandelt „Meister und Margarita“ in ein zeitloses, fesselndes Filmereignis, das uns zeigt: Die Freiheit des Fantastischen ist unbesiegbar.
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Anton Dolin über die beste Verfilmung des Romans „Maledetto“