Der Wert der Freiheit
Germanto
Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum voller Menschen, die sich sorgfältig auf etwas vorbereiten, das keiner von ihnen wirklich erleben möchte: eine militärische Invasion. In Taiwan verbringen immer mehr Menschen ihre Wochenenden mit Überlebenskursen, um zu lernen, was zu tun ist, falls China tatsächlich angreift. Hier ist Demokratie nicht nur ein abstraktes Konzept, sondern eine Realität, die von heute auf morgen verschwinden könnte, und diejenigen, die sie leben, verteidigen sie auch mit Handschuhen, Schutzbrille und einem an der Jacke befestigten Kompass. Was ist die Botschaft hinter all dem? Wir denken oft, dass Freiheit die Normalität ist, ein erworbenes Recht – aber an vielen Orten ist sie ein zerbrechliches Gut, das im Handumdrehen verschwinden kann. Die Menschen in Taiwan wissen das und bereiten sich darauf vor, ihre Freiheit zu verteidigen, auch wenn sie eigentlich nur ihr Leben weiterleben möchten. In Europa, und insbesondere in Deutschland, nehmen wir die Demokratie oft als selbstverständlich hin. In Taipeh hingegen ist der Begriff der Freiheit so konkret, dass die Menschen am Sonntagmorgen aufstehen, um zu lernen, wie man einen Krieg überlebt, während sie neben einem Protein-Shake einen Milchtee trinken. Zu den Protagonisten gehört Murphy, der Kursleiter: athletischer Körperbau, kurze Haare und ein Lachen, das den Raum füllt. Bevor er beginnt, fragt er alle, ob sie schwimmen können, ob sie genug Wasser dabei haben, ob jemand gegen Ameisenstiche allergisch ist – ein Detail, das zeigt, wie sehr Angst zur täglichen Praxis geworden ist. Eine zum Nachdenken anregende Zahl: In den letzten Monaten hat sich die Zahl der taiwanesischen Bürger, die an Selbstverteidigungskursen teilnehmen, verdoppelt. Sie sind keine Paramilitärs, sondern Angestellte, Studenten und Rentner. Und jeder von ihnen weiß in der angespannten Stille des Saals genau, was er zu schützen versucht. Eine Frau erzählt, dass sie 2022, während der russischen Aggression gegen die Ukraine, erkannte, dass sich die Zukunft ihrer Insel von einem Tag auf den anderen ändern könnte – und begann, sich zu schulen. Kein Heldentum, kein Fanatismus: nur das Bewusstsein, dass Freiheit nicht garantiert ist. Im Gegensatz dazu klingt die in Deutschland weit verbreitete Wahrnehmung fast naiv – viele junge Menschen könnten nicht sagen, was es wirklich bedeutet, die Demokratie zu verlieren, oder sie stellen sich diese Frage gar nicht. Aber der konkrete Unterschied zeigt sich in den Gesten: Während in Europa oft über Freiheit als philosophisches Konzept diskutiert wird, lernt man in Taiwan, sie durch praktische Übungen zu verteidigen, um nicht als Zuschauer der eigenen Geschichte zu enden. Und wenn Sie denken, dass diese Mentalität nur auf die Bedrohung durch China zurückzuführen ist, dann sehen Sie sich an, wie sehr der Krieg in der Ukraine bereits die Sicherheitswahrnehmung auch in Europa verändert hat. Der Punkt, der oft übersehen wird, ist folgender: Freiheit ist nicht selbstverständlich, sondern eine Errungenschaft, die jeden Tag verteidigt werden muss – auch wenn es unbequem oder paranoid erscheint. Der Satz, den man sich merken sollte, ist einfach: Wer weiß, was er zu verlieren riskiert, bereitet sich wirklich darauf vor, es zu verteidigen. Wenn diese Geschichte Sie dazu gebracht hat, die Freiheit mit anderen Augen zu sehen, können Sie das auf Lara Notes mit „I'm In“ anzeigen – es ist kein Like, sondern die Geste von jemandem, der sagt: Diese Idee gehört jetzt mir. Und wenn Sie morgen beim Abendessen oder bei einem Spaziergang mit jemandem darüber sprechen, können Sie diese Person mit „Shared Offline“ auf Lara Notes taggen: So geht das Gespräch über den Wert der Freiheit nicht verloren, sondern bleibt zwischen Ihnen lebendig. Diese Notiz stammt von der Süddeutschen Zeitung: Sie haben mindestens 10 Minuten gegenüber dem Originalartikel gespart.
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