Lucian Freud und Sue Tilley: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Muse
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Die Muse erwecken: Die ungewöhnliche Zusammenarbeit von Lucian Freud und Sue Tilley.
In der seltenen Welt der Kunst werden Musen oft als ätherisch und fern vorgestellt, aber die Geschichte von Lucian Freud und Sue Tilley stellt alle Erwartungen auf den Kopf. Ihre Zusammenarbeit führte zu einigen der berühmtesten und provokativsten Aktbilder des späten 20. Jahrhunderts, wobei Tilley, tagsüber eine Sozialarbeiterin in London und nachts ein fester Bestandteil der wilden Clubszene der 1980er Jahre, im Mittelpunkt stand.
Freuds Gemälde von Tilley sind monumental – ihr Körper auf Sofas ausgestreckt, ihre Präsenz unapologetisch fleischig, jede ihrer Kurven mit der obsessiven Genauigkeit wiedergegeben, die Freuds Stil ausmachte. Weit davon entfernt, sich vor dem unerbittlichen Blick des Künstlers zu ducken, pulsieren Tilleys Porträts mit einer Art von Größe, einer Selbstbeherrschung, die sowohl entwaffnet als auch fasziniert. Freud bestand bekanntermaßen darauf, das Leben zu malen, was Monate des Sitzens erforderte, die Tilley manchmal in unbequemen Posen zurückließen - doch sie tritt nicht als passives Modell, sondern als Kraft auf, die die Leinwand mit Würde und Humor besetzt. Die Titel - Benefits Supervisor Sleeping oder Resting - sind ein verschmitztes Augenzwinkern an ihren Job, doch in diesen Werken wird sie in eine moderne Odalisque verwandelt, deren Selbstvertrauen sich der Objektivierung widersetzt.
Tilleys Weg, Freuds Muse zu werden, begann im neonbeleuchteten Chaos des Londoner Nachtlebens der 1980er Jahre, wo sie in den Orbit von Leigh Bowery, dem extravagantesten Performancekünstler der Ära, hineingezogen wurde. Ihre Nächte waren so lebendig wie die Underground-Clubs der Stadt, und ihre Freundschaften mit grenzüberschreitenden Kreativen bereiteten die Bühne für ihre Begegnung mit Freud. Ihre Beziehung war dynamisch – er, unberechenbar und manchmal schwierig, sie, warm, witzig und belastbar. Ihre Sitzungen drehten sich ebenso sehr um Gespräche und Gelächter wie um Kunst.
Die Gemälde selbst sind zu Ikonen geworden und wechselten bei Auktionen für Rekordsummen den Besitzer, doch Tilley selbst sah von diesem Vermögen wenig. Ihre Vergütung war zu dieser Zeit bescheiden, eine Tagesgebühr, die Freuds Vorliebe für praktische Vereinbarungen gegenüber Sentimentalität widerspiegelte. Trotz des enormen Wertes, den ihr Bild erlangt hat, liegt Tilleys Belohnung in der Erfahrung selbst und in der Freundschaft, die sie mit Freud teilte, so kompliziert sie auch war.
Heute hat sich Tilley vom hektischen Tempo Londons entfernt, aber ihr Leben ist alles andere als ruhig. Sie zieht weiterhin Künstler und Journalisten an, die ihre Geschichten hören möchten, und durch eine Wendung des Schicksals ist sie selbst zur Künstlerin geworden. Ihre eigene Kunst, verspielt und persönlich, füllt ihr Zuhause und hat ihren Weg in Galerien und sogar Mode-Kollaborationen gefunden. Der Geist, den Freud auf seinen Leinwänden eingefangen hat – lebendig, ungefiltert und kühn sie selbst – bleibt unverblümt.
Am Ende ist die unwahrscheinliche Partnerschaft zwischen Freud und Tilley ein Beweis für die transformative Kraft der Kunst und die unerwarteten Orte, an denen Inspiration gefunden werden kann. Sie war nie nur eine Muse; sie war und bleibt die Autorin ihrer eigenen bemerkenswerten Geschichte.
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Lucian Freud und Sue Tilley: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Muse