NSDAP-Mitgliederkartei: Welche Motive gab es für den Beitritt zur NSDAP?
Germanto
Heute sagt fast niemand mehr: „Mein Großvater war ein überzeugter Nazi“. Doch wer in die NSDAP eintrat, tat dies immer aus einem bestimmten Grund, auch wenn er diesen nach dem Krieg eher herunterspielte oder leugnete. Die These lautet: Der Beitritt zur Nationalsozialistischen Partei war nie eine neutrale oder zufällige Geste, sondern das Ergebnis ganz unterschiedlicher Motive, die heute oft unangenehm zuzugeben sind – und die Familien-Erinnerung in Deutschland versucht auch heute noch, diese Unannehmlichkeit zu beseitigen. Der Soziologe Harald Welzer hat Zeugnisse wie dieses gesammelt: „Im Grunde war er kein Nazi, aber natürlich ist er der Partei beigetreten.“ Dies ist der Satz einer Frau, die über ihren Bruder spricht und einen blinden Fleck offenbart, der ganze Generationen durchzieht. Niemand erkennt sich als schuldig an, jeder behauptet, unschuldig oder höchstens passiv gewesen zu sein. Aber die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. In einer Umfrage, die im März 2025 für die Die Zeit durchgeführt wurde, gaben nur 3 % der Befragten an, dass die Mehrheit ihrer Familie den Nationalsozialismus befürwortete. 21 % sehen sie als einfache „Anhänger“, 26 % sogar als Gegner. Dennoch glauben elf Prozent, dass jemand in der Familie an den Verbrechen der Nazis beteiligt war, während 58 % davon überzeugt sind, dass ihre Großeltern oder Verwandten sich nie an irgendetwas schuldig gemacht haben. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein Mechanismus der kollektiven Verdrängung: die Tendenz, die Schuld wie immer bei anderen zu suchen. Die Gründe für den Beitritt zur NSDAP waren vielfältig: Natürlich gab es diejenigen, die von der Ideologie angetrieben wurden – dem Antikommunismus, dem Führer-Kult –, aber viele andere traten aus viel konkreteren und weniger edlen Gründen bei. Es gab diejenigen, die einen Job suchten, diejenigen, die auf wirtschaftliche Vorteile hofften, diejenigen, die sich wichtig fühlen oder einfach zu einer starken Gruppe gehören wollten. Ein menschliches Detail, das oft vergessen wird: Viele Menschen schlossen sich aus reinem Hunger nach Anerkennung an, nicht aus politischer Überzeugung. Dies hebt die Verantwortung nicht auf, sondern macht sie noch komplizierter. Heute ist in deutschen Familien die vorherrschende Erzählung die der „vererbten Unschuld“: Mein Großvater war nur ein Zahnrad, kein Henker. Aber man vergisst, dass auch diejenigen, die sich darauf beschränken, „der Strömung zu folgen“, dazu beitragen, dass sie zu einem Fluss wird. Niemand will der Bösewicht im Film seiner Familie sein, aber die historische Forschung zwingt uns, uns zu fragen: Wenn alle unschuldig sind, wer hat dann das Böse getan? Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist, dass das öffentliche und das private Gedächtnis fast nie übereinstimmen. Die Archive, Statistiken und Zeugnisse erzählen eine andere Geschichte als die, die am Tisch weitergegeben wird. Der Satz, der in Erinnerung bleibt, lautet: Kein Beitritt zur NSDAP war wirklich unschuldig – jeder Parteiausweis war eine Entscheidung, auch wenn sich heute niemand mehr daran erinnern will. Wenn diese Perspektive dich dazu gebracht hat, die Familiengeschichte anders zu betrachten, kannst du dies auf Lara Notes mit I'm In anzeigen: Es ist die Geste, die besagt, dass diese Frage jetzt meine ist. Und wenn du in ein paar Tagen mit jemandem darüber sprichst – vielleicht erzählst du, wie sich deine Familie an die Vergangenheit erinnert –, kannst du auf Lara Notes Shared Offline verwenden, um die Anwesenden zu markieren und dieses Gespräch festzuhalten. Dies war von Süddeutsche.de und erspart dir wertvolle Minuten beim Lesen.
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NSDAP-Mitgliederkartei: Welche Motive gab es für den Beitritt zur NSDAP?