Saudi-Arabien: Hinter den Influencern, das Reich der Angst | Quellen | KUNST
Frenchto
Hinter der Fassade: Saudi-Arabien im Schatten der Angst.
Saudi-Arabien zeigt sich heute als modernes Reiseziel, das mit prachtvollen Landschaften, Luxus und weltoffener Atmosphäre auf Social Media glänzt. Hunderte Influencer aus aller Welt preisen seit 2020 begeistert ihre Entdeckungstouren durchs Königreich an, posten atemberaubende Bilder und schwärmen von Wandel und Fortschritt. Das ist kein Zufall, sondern Teil einer ausgeklügelten Image-Kampagne: Postings werden bezahlt, Inhalte und Texte vorab kontrolliert, der Eindruck von Aufbruch und gesellschaftlicher Öffnung soll in die Welt hinausgetragen werden.
Tatsächlich hat sich einiges verändert. Frauen dürfen inzwischen Auto fahren und ohne männlichen Vormund reisen, internationale Stars setzen sich für das neue Image ein. Doch unter der glänzenden Oberfläche bleibt das Klima der Angst. Wer sich im Netz kritisch äußert, riskiert noch immer alles. Mutige Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten werden für Tweets oder Instagram-Posts verhaftet und zu drakonischen Haftstrafen verurteilt. Die Anklagen sind vage: „Störung der öffentlichen Ordnung“, „Verstoß gegen die Moral“, oft unter Terrorismusgesetzen. Fälle wie die der Fitness-Coach Mana al-Otaibi, die für feministische Inhalte elf Jahre Gefängnis erhielt, oder Ousama Khalid, der als Wikipedia-Autor zu 32 Jahren verurteilt wurde, zeigen, wie gnadenlos das System zuschlägt.
Die Angst geht weiter nach der Entlassung. Vielen Freigelassenen wird jede Reisefreiheit genommen, sie tragen elektronische Fußfesseln und werden streng überwacht – ihr Schweigen ist Bedingung für die Freiheit. Die Widersprüchlichkeit wird besonders deutlich, als die Weltgemeinschaft 2024 das große Internet-Governance-Forum ausgerechnet in Riad abhält. Während dort internationale Experten über Frauenrechte und Meinungsfreiheit diskutieren, sitzen nur wenige Kilometer entfernt Bloggerinnen und Blogger für harmlose Tweets im Gefängnis. Selbst auf diesem Forum werden kritische Stimmen zensiert, Flugblätter sichergestellt, ganze Redebeiträge im Nachhinein gelöscht.
Trotz internationaler Proteste, Briefen der Vereinten Nationen und der Freilassung einzelner Gefangener bleibt die Realität hart: Die Angst, für einen Post ins Gefängnis zu kommen, ist allgegenwärtig. Die offizielle Menschenrechtskommission beschränkt sich darauf, das Königreich als Vorreiter für Gerechtigkeit und Menschenwürde zu feiern, während die Zahl der Hinrichtungen auf ein neues Rekordniveau steigt. Hinter den glänzenden Bildern der Influencer bleibt ein Land, in dem Kritik ein Spiel mit dem Leben ist – und Schweigen die einzige Überlebensstrategie.
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