Was, wenn wir Männerbrüste wie Frauenbrüste behandelt hätten?

Germanto
Stellen Sie sich vor, Sie sind am Meer und sehen einen Mann, der in der Sonne liegt und sich leidenschaftlich die Brust massiert, ohne sich darum zu kümmern, wer ihn beobachtet. Es löst fast eine automatische Reaktion aus: Niemand ist schockiert, niemand denkt, dass er etwas Seltsames tut. Aber versuchen Sie, die Szene umzukehren: Wenn es eine Frau gewesen wäre, die sich so die Brust berührt hätte, wie viele Menschen hätten dann anders reagiert? Unsere Gesellschaft behandelt den nackten Oberkörper von Männern, als wäre er neutral, banal, bedeutungslos. Der Oberkörper von Frauen hingegen ist beladen mit Regeln, Blicken, Urteilen und Verboten. Die These, die hier auf den Punkt gebracht wird, ist einfach, aber verblüffend: Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ist auch in der Geschichte unserer Einstellung zu nackten Oberkörpern verankert, und sie ist keineswegs natürlich. Stellen Sie sich dieses Bild vor: Ein Mann, der sich am Strand in aller Ruhe und vor allen Augen an der Brust berührt. Niemand nimmt davon Notiz, niemand hält es für erotisch, niemand macht ihm Vorwürfe. Nun wechselt der Protagonist: Wäre es eine Frau, würde Chaos ausbrechen. Die Polizei, die Passanten, die Kommentare, ja sogar die Gesetze würden sagen, dass sie etwas Falsches tut. Doch biologisch gesehen ist der Unterschied zwischen einer männlichen und einer weiblichen Brust minimal. Das Tabu ist rein sozial bedingt, nicht natürlich. Manche erinnern sich an die Kontroverse in Deutschland, als einige Frauen darum baten, wie Männer oben ohne im Schwimmbad baden zu dürfen. Sie sahen sich mit einem Berg von Vorschriften und Empörung konfrontiert: „Unsere Gesellschaft sagt, dass die weibliche Brust immer sexuell ist, die männliche Brust nie.“ Die Geschichte hat uns daran gewöhnt, zu denken, dass dies normal ist, aber in Wirklichkeit ist es nur eine Konvention: Es hätte nicht viel gefehlt, und es wäre umgekehrt gewesen. Hätten wir beschlossen, dass die männliche Brust bedeckt werden muss, wäre es heute undenkbar, Männer mit nacktem Oberkörper im Park oder am Meer zu sehen. Modefirmen hätten Herren-BHs erfunden, die Werbung hätte Bruststraffungscremes für Männer verkauft, und weibliches Topless wäre die natürlichste Sache der Welt. Das ist der Teil, den niemand erwähnt: Scham, Sexualisierung und soziale Kontrolle sind keine natürlichen Gegebenheiten, sondern willkürliche Entscheidungen, die vor Jahrzehnten getroffen und nie wieder in Frage gestellt wurden. Und wenn die Gesellschaft morgen die Regeln ändern würde, würde sich auch unsere Sichtweise im Handumdrehen ändern. Was in der Debatte oft fehlt, ist eine radikale Frage: Wer entscheidet, was gezeigt werden darf und was nicht? Und warum erscheint uns nur das normal, was wir schon immer gesehen haben? Der Satz, den wir uns merken sollten, lautet: Die Freiheit, sich zu zeigen oder zu verbergen, ist kein Naturgesetz, sondern eine Geschichte, die wir noch neu schreiben können. Wenn du das Gefühl hast, dass dich diese Perspektive betrifft, kannst du auf Lara Notes auf I'm In klicken – das ist kein Like, sondern deine Art zu sagen: Diese Idee gehört jetzt mir. Und wenn du zufällig mit jemandem darüber sprichst, kannst du diese Person auf Lara Notes mit Shared Offline taggen – denn bestimmte Gespräche zeigen uns, wo wir stehen und wohin wir gehen könnten. Diese Anregung stammt von Süddeutsche.de und hat dir fünf Minuten im Vergleich zum Originalartikel erspart.
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