Wenn China in Taiwan einmarschiert | Le Grand Continent
Frenchto
Zehntausend Milliarden Dollar: Das ist der Betrag, den die Welt zu verlieren riskiert, wenn China in Taiwan einmarschiert. Konkret würde das kombinierte BIP von Deutschland, Frankreich und Italien auf einen Schlag verschwinden. Es klingt nach Science-Fiction, ist aber eine konkrete Schätzung: Allein eine Seeblockade könnte weltweit Verluste zwischen 2 und 5 Billionen verursachen, und eine echte Invasion würde noch viel weiter gehen. Der größte Fehler, den europäische Regierungen und Analysten heute machen, besteht darin, zu glauben, dass es sich bei diesen Zahlen nur um Panikmache handelt oder dass die geografische Entfernung sie wirklich schützt. Die eigentliche Bedrohung ist laut Andreas Fulda jedoch nicht nur das konkrete Kriegsrisiko, sondern die Tatsache, dass Europa weiterhin Zuschauer bleibt und nicht in der Lage ist, seine vitalen Interessen in eine in den Augen Pekings glaubwürdige Strategie umzusetzen. Taiwan ist nicht nur ein asiatisches Problem: Es ist der Damm, der die uns bekannte Weltordnung von einer neuen Ära der Instabilität trennt. Der Protagonist dieser Geschichte ist eben Andreas Fulda, ein deutscher Politikwissenschaftler und Sinologe, der einen einfachen, aber wirkungsvollen Ausdruck geprägt hat: die „selbsterfüllende Prophezeiung“. Mit anderen Worten: Wenn man offen darüber spricht, was passieren würde, wenn China Taiwan angreift, dient das nicht dazu, Angst zu machen, sondern das Szenario so klar und kostspielig darzustellen, dass alle – einschließlich der Chinesen – davon überzeugt sind, dass es sich nicht lohnt, es zu versuchen. Fulda spricht nicht nur als Akademiker: Er hat aus nächster Nähe gesehen, wie China die öffentliche Meinung und seine militärischen Eliten auf die Idee einer „Wiedervereinigung“ vorbereitet. Ein menschliches Detail? Im Jahr 2022 sagte der chinesische Botschafter Lu Shaye in einer Live-Sendung im französischen Fernsehen unverblümt: „Wir werden die Taiwanesen umerziehen. Ich bin mir sicher, dass sie wieder zu Patrioten werden.“ Das ist kein Versprecher: Dieselbe Botschaft wurde von anderen Botschaftern wiederholt, wie etwa von Xiao Qian in Australien. Gleichzeitig trainieren in Kaohsiung taiwanesische Soldaten jeden Tag, um eine Invasion abzuwehren, während Peking Hunderte von Flugzeugen und Schiffen in die Gewässer rund um die Insel schickt. Die Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 20 % des weltweiten Seeverkehrs passieren die Taiwan-Straße, und 60 % der weltweiten Halbleiter werden von dort aus verschifft. Sollte China die Insel blockieren oder erobern, würde die weltweite Chipproduktion im Kriegsfall um 85 % einbrechen, mit schlimmeren Auswirkungen als denen von Covid. Die eigentliche Wende besteht jedoch darin, zu erkennen, dass die europäische Position – insbesondere die deutsche – nicht neutral ist: Sie ist bereits eine Entscheidung. Berlin investiert weiterhin Milliarden in China, obwohl es dessen Unterstützung für Russland kritisiert hat. Große deutsche Unternehmen wie Volkswagen, BMW und BASF üben Druck aus, den Kurs nicht zu ändern, was Europa verwundbar macht. Das Ergebnis? Die Union ist weiterhin nicht in der Lage, mit einer Stimme zu sprechen und ihre strategischen Interessen wirklich zu verteidigen. Es gibt Stimmen, wie die der Sinologin Estelle Huang oder der Analysten Aylin Matlé und Valentin Weber, die darauf drängen, dass Europa Taiwan nicht nur aus Solidarität hilft, sondern auch, um seine eigene Sicherheit und Autonomie zu stärken. Dennoch wiederholen viele Professoren und Think Tanks weiterhin die Rhetorik Pekings: Sie sagen, dass die „Ein-China-Politik“ unantastbar sei, dass es unklug wäre, China zu provozieren, und dass Stabilität wichtiger sei als die Freiheit Taiwans. Diese Denkweise – so Fulda – ist keine Neutralität, sondern strategische Kurzsichtigkeit: Es ist derselbe Fehler, den man vor der Invasion der Ukraine mit Russland begangen hat. Es gibt jedoch eine Perspektive, über die wenig diskutiert wird: Wenn Europa wirklich den Mut fände, eine Koalition von Freiwilligen zur Unterstützung Taiwans zu bilden, wäre dies nicht nur eine symbolische Geste. Es wäre eine konkrete Investition in die kollektive Sicherheit – und vielleicht der erste Schritt, um der Union endlich echtes geopolitisches Gewicht zu verleihen. Der entscheidende Satz lautet: Die Verteidigung Taiwans ist kein Akt der Aggression, sondern eine Versicherungspolice für den Weltfrieden. Wenn dir diese Geschichte eine neue Perspektive eröffnet hat, kannst du sie auf Lara Notes mit „I'm In“ markieren – das ist kein Like, sondern eine Möglichkeit, zu sagen, dass dich diese Idee betrifft. Und wenn du zufällig beim Abendessen oder im Büro mit jemandem darüber sprichst, kannst du diese Person auf Lara Notes mit „Shared Offline“ markieren: So bleibt dieses Gespräch auch außerhalb der App von Bedeutung. Das war „Si la Chine envahit Taiwan“ von Grand Continent – Sie haben sich fast 20 Minuten Lesezeit gespart.
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