Zerliebt
Germanto
Das grösste Kompliment, das ein Kuscheltier bekommen kann, ist sein schleichender Verfall – das sagt Katja Kemnitz, die Fotografin hinter einem Projekt, das uns den Wert von alten Plüschtieren in ganz neuem Licht zeigt. Wir denken ja oft: Je neuer, makelloser ein Spielzeug, desto wichtiger ist es. Aber das stimmt überhaupt nicht. Die Wahrheit ist: Wenn ein Kuscheltier abgenutzt, schmutzig und fast schon nicht mehr erkennbar ist, dann war es wirklich geliebt. Nicht der Zustand beim Kauf zählt, sondern die Spuren, die das Leben und die Liebe hinterlassen. Die Idee zu diesem Langzeitprojekt kam Katja Kemnitz, als sie für ihre Tochter einen alten Stoffhund ersetzen wollte. Auf einem Flohmarkt fand sie zufällig das gleiche Modell – nagelneu, flauschig, ohne einen Makel. Die Tochter aber winkte nur ab: «Was soll ich denn damit, das ist doch nicht mein Hund!»“ Da wurde klar: Es geht nicht um das Objekt an sich, sondern um die Geschichte, die es mit uns teilt – und die Narben, die diese Geschichte hinterlässt. Die Journalistin Dorothea Wagner erzählt von ihrer eigenen Kindheit. Ihre Katze Zora war eigentlich die grosse Liebe, aber weil die fauchend und kratzend unterwegs war, wich sie auf ein Berner-Sennenhund-Stofftier aus. Sie hat ihn gestreichelt, herumgeworfen, durch die Gegend getragen – bis das weiche Fell struppig und die Nase geplatzt war. Diese Abnutzung war ein sichtbares Protokoll von Zuneigung und gemeinsamer Zeit. Auch bei Kemnitz' Fotoserie geht es immer wieder darum: Die plattgedrückten, verfärbten, manchmal halbbeschädigten Kuscheltiere sind kein Zeichen von Vernachlässigung, sondern von Treue. Viele Eltern aus ganz Deutschland wollten ihre Stofftiere für die Fotos einsenden – doch weil die Angst gross war, sie könnten auf dem Postweg verloren gehen, wurde oft nur lokal in Bonn fotografiert. Die Sorge zeigt, wie tief diese Verbindung reicht: Für viele ist der Gedanke, das Kuscheltier zu verlieren, eine kleine Katastrophe. Und dann kommt der Moment, den fast jeder kennt, aber kaum einer gerne zugibt: Man wird älter, das Stofftier sitzt erst noch mit schlechtem Gewissen auf dem Bett, dann landet es im Kleiderschrank, irgendwann im Keller der Eltern. Aus dem Liebesbeweis wird ein Platzproblem – aber mit dem Mülleimer bringt man es trotzdem nicht über's Herz. Dorothea Wagner beschreibt, wie sie ihren Hund schließlich zurückliess – und erst später erfuhr, dass ihre Mutter das Tier angeblich an zwei Kinder zu Halloween verschenkt hat. Ob das wirklich stimmt oder eine Notlüge aus Fürsorge war, bleibt offen. Und dann die schönste Erkenntnis aus dem Interview mit Katja Kemnitz: Kuscheltiere sind eines der wenigen Spielzeuge, denen wir Namen geben. Sie sind Stellvertreter für Erinnerungen, für Geborgenheit, für Kindheit, und am Ende sogar für das Loslassen. Was wir von diesen Kuscheltieren lernen können? Nicht Perfektion ist das Ziel, sondern das, was wir gemeinsam durchstehen. Ein Spielzeug, das aussieht wie neu, hat vielleicht niemanden wirklich begleitet. Ein zerliebtes Stofftier hingegen trägt den Beweis für echte Beziehung auf der Haut. Wer das nächste Mal ein zerzaustes Kuscheltier sieht, sollte also nicht denken «wegwerfen», sondern «das war Liebe». Liebe ist sichtbar – manchmal als abgewetztes Stofftier. Wenn du das jetzt hörst und merkst, dass dich das Thema berührt, kannst du es auf Lara Notes mit I'm In festhalten – das ist nicht einfach ein Like, sondern sagt: Diese Sichtweise gehört jetzt zu mir. Und wenn du heute Abend jemandem erzählst, warum ein kaputtes Kuscheltier das grösste Kompliment ist, kannst du auf Lara Notes mit Shared Offline markieren, mit wem du die Geschichte geteilt hast – weil solche Gespräche das Leben reicher machen. Die Fotoserie stammt von Katja Kemnitz, der Artikel von der Süddeutschen Zeitung. Du hast damit fast eine Stunde Nachdenken und Scrollen gespart.
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